Selten hat in letzter Zeit die Äusserrung einer Parteivorsitzenden soviel Wirbel,sowohl innerhalb wie auch ausserhalb der Partei "Die Linke" bewirkt,wie das K- Zitat von Gesine Lötsch vor der Rosa-Luxemburg-Konferenz am 8.Januar 2011 in Berlin.
"Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden,wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren,ob in der Opposition oder in der Regierung.Auf jeden Fall wird es nicht einen Weg geben,sondern sehr viele unterschiedliche Wege,die zum Ziel führen".
Für mich wirft das Zitat einige Fragen auf: Wenn Gesine Lötsch von "Wir" spricht,wen meint sie da ? Ich erinnere mich nicht ,daß es einen Auftrag der Partei " Die Linke " gab und gibt, Wege zum Kommunismus zu suchen oder sie auszuprobieren.Aber vielleicht meinte sie garnicht ihre ,unsere Partei?Aber wer ist "Wir"?
Zu welchem Ziel sollen die unterschiedlichen Wege führen?Sollte damit als Ziel der Kommunismus gemeint sein,so muss ich Gesine Lötsch sagen:Der Kommunismus war und ist kein Ziel der Partei "Die Linke ". Ziel der Partei "Die Linke" ist der Demokratische Sozialismus .
Es gibt für Mitglieder der Linkspartei keinen Grund über Wege zum Kommunismus nachzudenken oder sie gar auszuprobieren.Das mögen Mitglieder der zuständigen Partei, der DKP oder der MLPD tun,das ist ihr gutes Recht.
Nun versuchen Mitglieder und Gremien der Linkspartei das Lötschzitat zu deuten,zu erklären,um Schaden von der Linkspartei abzuwenden.Bis in biblische Zeiten gehen Kommunismusdeuter zurück, um zu beweisen ,daß Kommunismus als solcher eine, ähnlich wie das Christentum als solches, sehr lobenswerte Angelegenheit ,nur eben später von Menschen missbraucht und verfälscht worden ist.
Recht haben diese Deuter und Erklärer,nur sehen das die Menschen im 21.Jahrhundert speziell in unserem Lande aus vielerlei Gründen sehr viel anders.
An was denken die Menschen bei uns in der Bundesrepublik wenn sie das Wort Kommunismus hören oder lesen? Zunächst denken sie nicht an eine gerechtere Welt ohne Ausbeutung und ohne Krieg.Sie denken nicht an ein geschwisterliches Zusammenleben ohne Gewalt und ohne Hass.
Stattdessen sind es negativen Erinnerungen,an die durch Propaganda erzeugten,aber auch tatsächlich erlebten oder beobachteten Tatsachen einer DDR- Wirklichkeit. Sie denken auch an Verbrechen die im Namen von Kommunismus (übrigens auch an Kommunisten) in der DDR und anderswo begangen worden sind.Sie denken an Zwangsarbeit und an Gulag wenn sie mit dem Wort "Kommunismus " konfrontiert werden.
Auch Wähler der Linkspartei denken so! Man mag es drehen und deuten wie man will,das Wort Kommunismus ist zu einem Unwort in unserer Begriffswelt geworden.
Eine Parteivorsitzende,eine von mir ansonsten geschätzte Gesine Lötsch, sollte so etwas wissen.Selbst wenn Gesine Lötsch möglicherweise den frühchristlichen Kommunismus gemeint haben sollte,sie hätte wissen müssen,das ihre Worte Wählerstimmen kosten.
Sie hätte wissen müssen,daß wenn man möglicherweise Richtiges am falschen Ort und zur falschen Zeit äussert, uns,der Partei der "Linken" eine solche Äusserung über den Kommunismus großen Schaden zufügt.
Dabei hoffe ich insgeheim,daß meine Sorge übertrieben und damit unbegründet ist.
Werner Böwing
Solingen Mitte Februar 2011