Auch wenn es bestimmte Medien fast so darstellen: Nicht alle katholischen Priester sind Kinderschänder! Nicht einmal in den USA ist das so, auch nicht in Irland und nicht in Berlin und nicht an allen Jesuitenschulen. Es stimmt auch nicht, daß fast alle Kinderschänder im Zivilberuf katholische Priester sind.
Mit dieser grundsätzlichen Feststellung ist allerdings die Frage verbunden, warum eine bestimmte Berufsgruppe offensichtlich anfälliger für bestimmte Verfehlungen ist als andere. Gäbe es ähnliches zum Beispiel über Schornsteinfeger oder über Briefträger zu beklagen, ich bin sicher, man würde nach den Ursachen forschen.
Die jeweilige Opposition würde einen Untersuchungsausschuß fordern. Wenn Briefträger oder Schornsteinfeger einem Eheverbot und einem Sexualstrafrecht unterliegen würden, dessen Hauptstrafe letztendlich das Berufsverbot ist, ich bin sicher, Greenpeace und Amnesty International und alle Frauenorganisationen würden auf die Barrikaden gehen.
Aber wer, so frage ich, hilft den katholischen Priestern in ihrer Not? Alle berufenen und unberufenen Institutionen erklären in beängstigender Einmütigkeit, daß die vereinzelt an die Öffentlichkeit kommenden, auch die jahrelang unter der Decke gehaltenen Untaten, nichts mit dem durch den Zölibat verbundenen widernatürlichen Enthaltsamkeitswahn zu tun haben.
Inzwischen verstehe ich, warum unsere verantwortlichen Meinungsträger daran nicht rütteln und schütteln wollen. Nicht etwa, weil sie Angst vor Herrn Ratzinger hätten, nein, dass ist nicht der Grund. Die Sache, um die es hier geht, liegt tiefer, viel tiefer.
Einer der letzten bekannten Leute, die den Zölibat in Frage stellten und schließlich Priestern Nonnen und Mönchen zu irdischen Freuden verhalfen, war ein gewisser Dr. Martin Luther. Der hatte damals ganz schön zu knausen, als er seine Katherina, eine ehemalige Nonne, ehelichte und mit ihr auch noch einen ganzen Stall voll Kinder zeugte.
Luther ging als der große Reformator in die Geschichte ein, über Katherina schrieben und redeten nur wenige. Mehrere Jahrhunderte gingen ins Land, ehe ein großer Autokonzern einen Autotyp nach ihr benannte. Katherina von Bora ist somit der Nachwelt, wenigstens dem Namen nach, in Erinnerung geblieben.
Doch zurück zum Zölibat. Luther hat ihn für seine Glaubensschwestern und –brüder abgeschafft. Ersatzlos gestrichen, sozusagen! Vielleicht war das gut gemeint, aber historisch betrachtet war es ein Fehler. Einige Jahre nach Luther, Calvin und Zwingli brach der Dreißigjährige Krieg aus, und Katholische und Evangelische vieler Nationen brachten sich gegenseitig um. Viele von denen, die überlebten, mußten ihre Heimat verlassen und landeten als Flüchtlinge und Asylsuchende irgendwo, auch in deutschen Landen wie zum Beispiel die Hugenotten.
Viel Elend hätte man vermeiden können, wäre man damals mit dem Zölibat anders umgegangen. Solche Fehler darf man nicht wiederholen! Wer weiß, würde man heute den Zölibat wieder ersatzlos streichen, ob nicht irgend so ein christlicher Fundamentalist unter den Politikern zu einem jahrzehntelangen Krieg gegen das Böse aufrufen würde.
Deshalb schlage ich vorbeugend vor, den vom Zölibat betroffenen Personenkreis einfach auszutauschen. <//span>Dadurch bliebe der Zölibat erhalten, und Priester und Nonnen und Mönche wären trotzdem von der Last der Lust befreit und könnten nach Familiengründungen für reichen Kindersegen sorgen und somit als Nebenerscheinung der Überalterung unserer Gesellschaft entgegenwirken. Aber wohin mit dem Zölibat? Er muß doch eine Funktion bekommen, sonst gibt es wieder so einen Dreißigjährigen Krieg wie damals nach Luther und den anderen Reformatoren.
Ich will hier nicht auf den Bush klopfen, aber ich hätte da einen Vorschlag. Wie wäre es, wenn man den Zölibat einführen würde für alle Leute, die ihr Geld nicht durch eigene Arbeit sondern durch die Arbeit der von ihnen wirtschaftlich abhängigen Mitmenschen verdient haben und verdienen? Also für Kapitalbesitzer, Manager, Unternehmer und andere Leute, deren Reichtum und Besitz auf unredliche Art und Weise zustande gekommen ist und immer noch zustande kommt.
Kapitalisten nannte man früher diese Herrschaften, als man auch Ausbeutung noch Ausbeutung nannte. Ich beklage, dass dieser Personenkreis letztendlich bei uns die Richtlinien der Politik bestimmt, und der jeweilige Kanzler oder die Kanzlerin so tut als täte er oder sie das. Nach Ende des rheinischen Kapitalismus, etwa seit der deutschen Wiedervereinigung, hat sich dieser Einfluß noch verstärkt. Der Raubtierkapitalismus ist an Stelle des rheinischen Kapitalismus getreten, und sein Wirken ist von Übel. Dem muß Einhalt geboten werden, wenn unser Sozialstaat nicht ganz den Profitinteressen geopfert werden soll.
Nun ist der heutige Zustand ja keine erstmalige Erscheinung. Und bekämpft wird der Kapitalismus seit etwa 150 Jahren. Sozialdemokraten waren bemüht, den Kapitalismus zu zähmen. Das hat nicht geklappt. Kommunisten wollten ihn mit Gewalt abschaffen. Das ging auch nicht gut. An Stelle der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen geschah das Gegenteil, und die persönliche Freiheit blieb auch auf der Strecke.
Sozialismus ohne Demokratie, Sozialismus durch Zwang und Gewalt, das führt zu nichts Gutem. Mein Vorschlag, wie man ohne Gewalt und ohne Revolution zum Sozialismus kommen kann, dauert zwar etwas länger, tut aber nicht so weh.
Stellt alle Kapitalisten (Personenbeschreibung siehe oben) unter den Zölibat und schafft das Erbrecht für alle nicht ehelich geborenen Kinder ab. Letzteres ist notwendig, da wir ja die Neuzölibatäre nicht wegen der Moral in die Pflicht nehmen wollen. Das Erbrecht müßte jedenfalls reformiert werden, damit der kapitalistische Absterbeprozeß nicht ungebührlich lange behindert werden kann.
Wenn dieser gesellschaftspolitische Prozeß eingeleitet worden ist, sollte man einfach zwei bis drei Generationen warten. Wenn etwas Zeit ins Land gegangen ist, kann man sich Arbeitsmethoden einfallen lassen, wie man ohne Kapitalismus leben und wirtschaften kann.
Warum sollte es ehemaligen Unternehmern und Managern nicht gestattet werden, ihre ehemaligen oder andere Betriebe zu leiten? Sie sollten gut, ihrer Leistung entsprechend, entlohnt werden. Wichtig ist dabei nur, daß ihr politischer Einfluß genau so stark ist wie der jeder anderen Bürgerin und jedes anderen Bürgers. Nicht mehr und nicht weniger, wie es das reformierte Grundgesetz vorschreibt.
Sozialismus kann funktionieren, wenn seine Bürgerinnen und Bürger es wollen, indem sie demokratische Kontrollen ausüben und weder Bürokratien noch Pateienherrschaft zulassen. In den Schulen wird ein neues Pflichtfach eingeführt mit dem Namen „Solidarität“. Und wenn der Kapitalismus dann eines guten Tages durch Zölibat am Ende ist, dann mag der Papst entscheiden, ob es in seiner Kirche auch ohne Sexualstrafrecht geht und alle Menschen, einschließlich der Priester und Nonnen, Freuden und Lasten erleben und tragen dürfen und den Menschen ein Wohlgefallen widerfahren werde. Und ob dann eines nicht so fernen Tages vielleicht die Gattin des Papstes sich Päpstin nennen darf, oder gar eine Päpstin in Rom das alleinige Sagen hat und als Johanna die Zweite residiert, das sollen dann die Gläubigen entscheiden. Niemand darf ihnen da reinreden.