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Katholische Kirche in Solingen Ohligs

Katholische Kirche zunehmend unter Druck

Vom Fall der Mächtigen. Die Kirchenaustritte in Deutschland haben sich in den letzten Monaten fast verdoppelt. Besonders im Erzbistum Köln, zu dem Solingen gehört, gibt es eine nicht anhaltende Austrittswelle. Wie kommt es dazu?

 

Einer der Gründe liegt im Umgang der katholischen Kirche mit dem Missbrauch von Kindern in ihren Gemeinden. Der Kölner Kardinal Woelki wollte hierzu am 12. März letzten Jahres ein in Auftrag gegebenes Gutachten vorstellen. Dieses Gutachten wurde jedoch auf seine Anweisung hin unter Verschluss gehalten.

Gleichzeitig kamen Vorwürfe auf, Woelki handele auf Druck des langjährigen Generalvikars Norbert Feldhoff und des jetzigen Weihbischofs Dominikus Schwaderlapp.

Auch im Fall eines Düsseldorfer Pfarrers, der des Missbrauchs verdächtigt wird, hätte Woelki versucht, den Fall zu vertuschen, „aus Rücksicht auf den schlechten Gesundheitszustand des Pfarrers“, wie er sich nach den öffentlichen Vorwürfen dazu äußerte.

Jetzt solle „Rom den Fall prüfen“. Hinzu kam der Missbrauchsverdacht gegen einen Kerpener Pfarrvikar, der vorher in Solingen als Kaplan tätig war und sich nach Kerpen versetzen ließ. Das Erzbistum erklärte nun in einem „Proklamandum“, es „werde dem Fall weiter nachgehen und ihn vollumfänglich aufklären“. Die Zweifel in der Bevölkerung wachsen jedoch genau daran. Selbst der ehemalige Interventionsbeauftragte des Erzbistums Köln für den Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch Oliver Vogt (inzwischen Leiter der Solinger Schulverwaltung) trat mittlerweile aus der Kirche aus. „Ich komme nicht mehr klar damit, dass führende Kirchenvertreter nicht bereit sind, moralisch Verantwortung für die Geschehnisse, an denen sie persönlich beteiligt waren, zu übernehmen“, sagte Vogt.

Die „Tagesthemen“ der ARD berichteten bereits im März von massiven Kirchenaustritten am Beispiel der katholischen Kirche Solingen-West und sendeten ein Interview mit einem Vertreter der Gemeinde St. Sebastian. Der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach, Vorsitzender des Kölner Diözesanrats, spricht von „der größten Krise, die wir alle je erlebt haben“.

Das Erzbistum Köln steht damit unter zunehmenden Druck. Wie reagieren sie? Als Antwort veröffentlichten sie einen „8-Punkte-Plan“. Sie wollen bei Missbrauchsverdacht unter anderem eine „regelmäßige Kontrolle beschuldigter Kleriker“.

Was die Kirche an Gesprächen mit Missbrauchsverdächtigen führt, ist uns egal! Nicht egal ist uns, ob ein Missbrauchsverdacht bei der Polizei angezeigt wird. Hier handelt es sich um ein Offizialdelikt, also um Verbrechen mit besonderer Schwere der Tat, welche der Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft unterliegen.

Eigentlich …
... denn in Deutschland herrscht in der Kirche das „Kirchenrecht“, ein eigenständiges Recht, mit der die Kirche interne Vorfälle selbst bearbeiten darf. Genau dieses „Recht“ hat in der Vergangenheit zum Vertuschen geführt.

Es muss sofort aufhören, dass „Rom den Fall prüft“ oder erst einmal interne Gespräche mit Auflagen stattfinden. Die Möglichkeiten der Kirche, solche Vorfälle intern zu behandeln, müssen ein Ende haben. Ein Verdacht auf ein Verbrechen gehört nicht durch die Kirche „begleitet“, sondern der Staatsanwaltschaft übergeben, damit diese eigene Untersuchungen einleiten kann – wie in jedem anderen Fall auch!

Das Kirchenrecht dagegen ist ein Überbleibsel aus dem Mittelalter und gehört abgeschafft!


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