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Neues aus dem Reinigungsdienst der Stadtverwaltung

Zuerst das Erfreuliche: Im Frühjahr wurden alle Reinigungsfrauen der Stadt in die Einkommensgruppe 2 eingruppiert. Ihre Kolleginnen in anderen Städten hatten sich nämlich vor die Gerichte getraut und erfolgreich mehr Lohn erstritten. Der Oberbürgermeister unserer Stadt wies an, dass ab sofort auch alle Solinger Reinigungsfrauen den höheren Lohn für ihre anstrengende Arbeit erhalten. Schon lange hatten dies die betroffenen Frauen und ihr Personalrat gefordert.

Reinigung unter dem Diktat der schwarzen Null

Wir wissen, auch in der neuen Lohngruppe verdienen die Frauen keine Reichtümer. Aber das Wenige mehr, das war den betriebswirtschaftlich geschulten Vorgesetzten und Haushältern schon zu viel. Sofort wurde eine Gegenrechnung vorgelegt: Entweder müssen Reinigungsautomaten her, oder die Frauen müssen schneller und mehr reinigen, oder den Kollegen Schulhausmeistern wird Geld für Zusatzdienste weggenommen oder noch mehr Privatfirmen dürfen in städtischen Gebäuden mit billigeren Arbeitskräften Gewinne machen. Wer bis jetzt befristet bei der Stadt geputzt hat, sollte sich darauf einstellen, demnächst den Job zu verlieren. Schöne Alternativen!

Frauenarbeit – systemrelevant, kaum anerkannt und schlecht bezahlt

In der Coronakrise sehen wir, was schon immer falsch und ungerecht lief, welche Tätigkeiten für das gesellschaftliche Leben wichtig sind und welche weniger. Kaum auszudenken aber was uns droht, wenn 8 bis 12 Wochen keine Busse und Bahnen, keine Schulen, keine Toiletten, OP-Räume oder gar die Arbeitszimmer der Betriebsleitungen, Dezernenten und Regierenden nicht mehr geputzt würden! Ausgerechnet die Frauen (und teilweise auch Männer), die oft mit prekären Verträgen und Niedriglöhnen in Krankenhäusern, Altersheimen, Reinigungsdiensten oder Supermärkten arbeiten, halten das Land am Laufen. Fast drei Viertel der Beschäftigten in als systemrelevant erkannten Berufen sind Frauen. Mit Ausbrechen der Coronaepedemie wurden sie wahrgenommen, beklatscht, aber weiterhin oft unterdurchschnittlich bezahlt und in betrieblichen Hierarchien mehrheitlich unten eingeteilt. Auch im Solinger Reinigungsdienst arbeiten zwar in großer Mehrzahl Frauen, die Chefs hingegen sind männlich und besser bezahlt.

Sind die Menschen nur noch Beiwerk?

Vor Jahren wurde in den Gemeinden die Kameralistik abgeschafft und in betriebswirtschaftlichen und Wettbewerbskategorien gedacht. Man findet das ebenso modern wie effizient und ist stolz, denselben Fachjargon zu beherrschen wie Kapitalunternehmen zur Bilanzierung der Gewinne und Verluste. Sozialstaatliches Denken, Wohlfahrtsziele und Orientierung an menschlichen Bedürfnissen haben in dieser Logik nichts zu suchten. Erst größere Kämpfe der Klimabewegung führten zur Aufnahme von Umweltgesichtspunkten bei politischen Entscheidungen. Vorlagen, die Rat und Ausschüssen erhalten, sind im Geist einer Unternehmenssprache geschrieben. Menschen, egal ob als Beschäftigte oder Bürger*innen, tauchen nur noch als Kennziffern, Angebot, Nachfrage und Kosten auf oder sogar gar nicht mehr.

Wir haben in anderen Städten nachgefragt, wie dort die Mehrkosten für die bessere Bezahlung der Reinigungsfrauen ausgeglichen werden und Erstaunliches erfahren: Die Kosten werden schlicht aus dem Gesamthaushalt bezahlt. Nachdem DIE LINKE umfangreiche und kritische Fragen gestellt hat, scheint die Verwaltung vorsichtiger vorzugehen: Die befristeten Arbeitsverträge sind bis Ende Juli 2021 verlängert und jetzt werden Lösungen gesucht, die die zuständigen politischen Gremien ohne allzu große Kritik passieren.

Wir fordern, dass Lösungen gefunden werden, die nicht zu Lasten der arbeitenden Reinigungsfrauen gehen. Reinigen ist eine notwendige und belastende Tätigkeit, die ihren Preis haben muss.


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