Wer bist du, und warum kandidierst du für DIE LINKE in Solingen?
Mein Name ist Bjarne Lettmann, ich bin 26 Jahre alt und arbeite als Disponent in einer Service- und Notrufleitstelle – nach meiner Ausbildung zum Gerüstbauer weiß ich, was es heißt, mit den Händen zu schaffen und gleichzeitig die strukturelle Ungerechtigkeit in dieser Gesellschaft am eigenen Leib zu spüren.
Meine politische Heimat war und ist DIE LINKE – weil ich schon früh begriffen habe, dass halbe Sachen nichts ändern. Antifaschismus ist für mich keine Phrase, sondern tägliche Praxis, denn Nazis sind keine "Meinung", sondern eine tödliche Bedrohung. Und Politik? Die darf niemals den Konzernen dienen, sondern muss den Menschen gehören – direkt, basisdemokratisch und ohne Kompromisse mit denen, die uns ausbeuten.
Ich kandidiere für den Stadtrat, nicht weil ich Illusionen in dieses System habe, sondern weil ich jede Bühne nutzen will, um denen eine Stimme zu geben, die sonst übergangen werden. Ob prekär Beschäftigte, Mieter:innen in Angst vor Verdrängung oder Menschen, die rassistische Kontrollen erleben – ihre Kämpfe sind meine Kämpfe. Aber klar: Parlamente allein ändern nichts. Echte Politik entsteht auf der Straße, in den Betrieben, in den Vierteln . Deshalb geht es mir nicht darum, im Rathaus zu reden, sondern Druck von unten zu organisieren – durch Solidarität, durch Nachbarschaftsnetzwerke.
Ich stehe für eine Politik, die Hierarchien infrage stellt – ob in der Wirtschaft, im Staat oder im täglichen Miteinander. Keine Macht für niemand! Kein Vertrauen in Institutionen, die uns nur verwalten, statt zu befreien. Aber solange wir in diesem System gefangen sind, kapere ich jede Plattform, um die Logik von Kapital und Staat anzugreifen. Nicht für Karriere, nicht für Pöstchen – sondern um den Raum zu erweitern, in dem wir selbstbestimmt leben können. Gemeinsam. Ohne Herren. Ohne Faschisten. Ohne falsche Autoritäten.
Was magst Du aus dieser Perspektive in und an dieser Stadt und was siehst Du besonders kritisch?
Ich bin in Solingen geboren – von der Grundschule bis zu meiner Ausbildung bin ich dieser Stadt treu geblieben. Und ja, ich bin stolz darauf, in einer Stadt zu leben, die sich trotz ihrer dunkelsten Kapitel immer wieder aufrappelt und beweist: Wir sind bunt, wir sind vielfältig, wir lassen uns nicht spalten. Solingen ist für mich dieser besondere Ort, der Großstadtflair mit dörflicher Verbundenheit vereint – doch hinter der Fassade brodelt es.
Die entscheidende Frage, die mich umtreibt, ist: Wem gehört diese Stadt wirklich? Den Immobilienhaien, die Mieten in unbezahlbare Höhen treiben? Den Investoren, die Kultur zur Ware machen? Oder den Menschen, die hier jeden Tag leben, arbeiten und kämpfen? Ich sage: Solingen gehört uns allen – und wir müssen es uns zurückholen.
Mieten dürfen kein Luxus sein, Kultur kein Privileg der Zahlungskräftigen, und öffentliche Flächen müssen endlich dem Gemeinwohl dienen – nicht den Profiten weniger. Doch wir brauchen mehr als bezahlbaren Wohnraum: Wir brauchen Räume, die wir selbst gestalten können – ohne Genehmigungen, ohne Kommerzdruck, ohne dass irgendein Amt uns vorschreibt, wie wir leben sollen.
Solingen hat genug leere Gebäude, genug ungenutzte Flächen, genug Potential für eine Stadt von unten. Lasst uns keine Bittsteller sein, die auf politische Gnadenbrothoffen. Lasst uns nehmen, was uns zusteht: Ein Leben in Würde – und eine Stadt, die wir selbst in die Hand nehmen.Denn eins ist klar: Wer über sein Viertel, sein Zuhause, sein tägliches Leben mitentscheiden will, darf nicht um Erlaubnis bitten. Er muss sie sich nehmen. Und genau dabei will ich helfen. Nicht als Politiker, der von oben herab bestimmt – sondern als einer von euch, der weiß: Echte Veränderung beginnt da, wo wir aufhören zu warten und anfangen, zu handeln.
Für welche politischen Themen in Solingen stehst Du persönlich besonders und warum?
Ich will ein Solingen, in dem Politik nicht alle fünf Jahre an der Wahlurne endet, sondern täglich auf der Straße, in den Kiezen und in den Betrieben gelebt wird. Eine Stadt, die sich nicht an Profitinteressen orientiert, sondern an den Bedürfnissen derer, die hier leben und arbeiten. Das Rathaus darf keine abgeschottete Festung sein – wir brauchen eine Kultur, in der Stadtpolitik nicht hinter verschlossenen Türen entschieden, sondern auf offener Straße diskutiert wird.
Doch es geht um mehr als Dialog – es geht um Macht. Wem gehören die Häuser, die Straßen, die Plätze? Warum sollen wir akzeptieren, dass über unsere Lebensrealität von Investoren, Vermietern und Bürokraten entschieden wird? Mieten müssen entkommerzialisiert, Kulturangebote gemeinwohlorientiert und öffentliche Flächen tatsächlich öffentlich sein – also von uns allen selbst gestaltbar
.Aber wir fordern nicht nur – wir handeln. Ich will keine Politik machen, bei der Menschen "beteiligt" werden, nur um sie ruhigzustellen. Ich will, dass wir uns das nehmen, was uns zusteht: Das Recht, diese Stadt selbst zu verwalten. Durch Mieter:innenräte, die Druck machen.
Durch Nachbarschaftsversammlungen, die leerstehende Gebäude nutzt . Durch kollektive Strukturen, die zeigen: Eine andere Stadt ist nicht nur möglich – wir bauen sie schon jetzt.
Denn Solingen gehört nicht den Konzernen, nicht den Immobilienhaien, nicht der Verwaltung. Solingen gehört denen, die es jeden Tag mit Leben füllen. Und wir werden es uns zurückholen
– mit direkter Aktion, mit radikaler Demokratie, mit der kompromisslosen Überzeugung: Unsere Stadt in unsere Hände!
Die Frage ist nicht, ob wir das schaffen – sondern wie wir heute damit anfangen.
Was ist dein wichtigstes politisches Ziel für Solingen? Warum liegt dir das besonders am Herzen?
Mein wichtigstes politisches Ziel für Solingen? Die konsequente Demokratisierung aller Lebensbereiche – weil ich fest davon überzeugt bin, dass die Menschen selbst am besten wissen, was sie brauchen. Mir geht es darum, die Machtverhältnisse in dieser Stadt grundlegend umzukrempeln: Weg von Investor*innen, Vermieter*innen und bürokratischen Apparaten, hin zu basisdemokratischer Selbstverwaltung.
Konkret heißt das: Ich kämpfe für eine Stadt, in der wir über unsere Lebensrealitäten selbst entscheiden – ohne Vermittlung durch Politiker*innen oder Profitinteressen.** Das beginnt beim Wohnen, das kein Spekulationsobjekt sein darf, sondern ein Grundrecht. Es geht weiter mit Kulturräumen, die nicht kommerziellen Zwängen unterliegen, sondern von Kollektiven gestaltet werden. Und es mündet in der Vision einer solidarischen Infrastruktur, in der Nachbarschaften selbstorganisiert über ihre Ressourcen verfügen.
Warum liegt mir das besonders am Herzen? Weil ich in Solingen aufgewachsen bin und täglich erlebe, wie Menschen entrechtet werden – durch steigende Mieten, durch prekäre Jobs, durch eine Politik, die Konzerninteressen über menschliche Bedürfnisse stellt. Ich will nicht nur Symptome lindern, sondern die Ursachen angehen: Ein System, das Menschen zu Bittsteller*innen degradiert, während es Reichtum für wenige hortet.
Mein Antrieb ist einfach: Ich glaube nicht daran, dass Eliten für uns denken müssen. In den Betrieben wissen die Arbeiter*innen, was gebraucht wird. In den Vierteln wissen die Anwohner*innen, wie Probleme zu lösen sind. Meine Rolle sehe ich darin, diese Kämpfe zu verbinden – und jede institutionelle Plattform zu nutzen, um Räume für direkte Selbstbestimmung zu erkämpfen.
Letztlich geht es um die grundlegende Frage: Wem gehört die Stadt? Meine Antwort ist klar: Nicht den Mächtigen – sondern allen, die sie mit Leben füllen. Und diesen Anspruch werden wir uns nicht bitten, sondern nehmen. Durch Organisierung. Durch Widerstand. Durch die kompromisslose Überzeugung, dass eine andere Welt nicht nur möglich, sondern unvermeidlich ist, wenn wir sie gemeinsam erkämpfen.
Was bedeutet soziale Gerechtigkeit für dich – ganz konkret hier in Solingen?
Soziale Gerechtigkeit heißt für mich nicht, den Staat um „bezahlbaren Wohnraum“ oder „Subventionen“ zu bitten, sondern die Strukturen derjenigen zu brechen, die über Wohnen, Energie und Nahrung profitieren. In Solingen könnten Nachbarschaftsräte und basisdemokratische Versammlungen erste Schritte sein, um freiwillige Kooperation aufzubauen.
Welche Probleme in Solingen werden deiner Meinung nach übersehen – und wie willst du sie angehen?
In Solingen gibt es Probleme, die im offiziellen Diskurs oft untergehen – während falsche „Sicherheits“-Debatten von Rechts genutzt werden, um Spaltung und Repression zu legitimieren. Doch echte Sicherheit beginnt nicht mit mehr Polizei, sondern damit, dass Menschen ein Leben ohne Existenzangst führen können. Da ist die versteckte Armut in einer Stadt, die einst vom Stahl lebte und heute von prekären Jobs: Leute rackern sich ab, können aber trotzdem ihre Miete kaum zahlen, während Altersarmut und die Not von Alleinerziehenden totgeschwiegen werden. Gleichzeitig steigen die Mieten schleichend, und wer nicht mithalten kann, wird an den Rand gedrängt – ohne dass es laut wird. Und während Politiker über „Kriminalität“ schwadronieren, erleben viele im Alltag eine ganz andere Unsicherheit: Racial Profiling, Kontrollen in bestimmten Vierteln, die kein Schutzgefühl schaffen, sondern Misstrauen. Dazu kommt die stille Krise der psychischen Gesundheit – Menschen vereinsamen, kämpfen mit Depressionen, aber Therapieplätze sind Mangelware.
Wenn du nur eine Veränderung in Solingen sofort umsetzen könntest – welche wäre das?
Wir brauchen sofort Projekte damit die Mieten in Solingen erschwinglich bleiben hier brauchen wir direkt eine Leerstandsregister und eine Komunale Wonungsbaugeselschafft.
Was unterscheidet Die Linke Solingen von anderen Parteien im Stadtrat und seinen Gremien, vor allem in Zukunft?
Wir sind die Stimme der 99% – all derjenigen, die jeden Tag arbeiten gehen und trotzdem kaum über die Runden kommen. Während sich eine Handvoll Reiche auf unsere Kosten die Taschen vollmachen, kämpfen wir für ein Leben in Würde für alle!
Wie stellst du dir eine solidarische und klimagerechte Stadt konkret vor?
Eine solidarische und klimagerechte Stadt nach meinen Gedanken wäre ein Ort, in dem Wohnen, Mobilität und Energie demokratisch und gerecht organisiert sind – ohne Profitlogik. Das bedeutet: bezahlbarer Wohnraum durch Vergesellschaftung, kostenloser ÖPNV und autofreie Zonen, Energie in Bürger:innenhand und eine sozial-ökologische Wende durch grüne Jobs und klimaneutrale Infrastruktur. Statt Konzerninteressen stünde das Gemeinwohl im Zentrum, mit globaler Solidarität und einer Wirtschaft, die Menschen und Planet vor Profite stellt. Kurz: Eine Stadt, die soziale und ökologische Gerechtigkeit nicht trennt, sondern gemeinsam erkämpft.
Wie wichtig ist für Dich der Kontakt zu den Menschen in deinem Stadtteil?
Der Kontakt zu den Menschen im eigenen Stadtteil ist absolut zentral – denn Politik fängt nicht in Parlamenten an, sondern vor der eigenen Haustür. Ohne echte Verbindungen zu Nachbar:innen, Kolleg:innen und lokalen Gruppen bleibt jeder Kampf abstrakt und jede Solidarität nur Theorie.
Was würdest du Menschen sagen, die denken, Politik ändere sowieso nichts?
Politik ändert sehr wohl etwas – aber nur, wenn wir sie selbst in die Hand nehmen. Ohne Bitten, ohne Kompromisse, ohne Illusionen in dieses System. Streiks haben uns die 40 Stunden Woche erkämpft . Bürgerbeteiligung sollen Fakten schaffen. . Jede noch so kleine Aktion zeigt: Wir sind keine Bittsteller:innen, wir sind diejenigen, die diese Gesellschaft am Laufen halten – und wir können sie auch mitgestalten. Die Frage ist nicht, ob Veränderung möglich ist, sondern ob wir bereit sind, sie zu erkämpfen. Und wenn du denkst, das klingt utopisch, dann erinnere dich: Jeder Status quo war mal eine Utopie – bis ihn genug Menschen einrissen.

