Wer bist du, und warum kandidierst du für DIE LINKE in Solingen?
Ich bin Lukas und Teil der lohnabhängigen Mehrheit in Solingen, lebe und arbeite hier, und ich kandidiere für Die Linke, weil ich die herrschenden Verhältnisse nicht länger stillschweigend hin. In dieser Stadt stehen Wohnungen leer, während andere nicht wissen, wie sie ihre Miete zahlen sollen. Während unsere Chefs riesige Gewinne machen, schuften Arbeiter:innen in schlecht bezahlten Jobs oder sind ganz aus dem Arbeitsmarkt gedrängt. Ich trete an, weil ich nicht glaube, dass diese Verhältnisse ein Naturgesetz sind, sondern das Ergebnis unseres Systems und einer Politik, die sich den Profiten unterwirft.
Für mich ist DIE LINKE der Ort, an dem es – trotz aller Widersprüche – möglich ist, gemeinsam mit anderen für eine solidarische Gesellschaft zu kämpfen. Ich will, dass der Stadtrat nicht weiter ein Ort der Verwaltung von Ungerechtigkeit bleibt, sondern zu einem Instrument des politischen Neustarts wird. Für bezahlbares Wohnen, ein Ende der Privatisierung, für konsequenten Klimaschutz und echte Umverteilung – vor allem aber für eine Stadt in der die Bedürfnisse der Arbeiter:innen im Mittelpunkt stehen.
Was magst Du aus dieser Perspektive in und an dieser Stadt und was siehst Du besonders kritisch?
Ich bin in Höhrath aufgewachsen, einem kleinen Dorf zwischen Solingen und Wermelskrichen. Wer da wohnt weiß was es heißt abgehängt zu sein. Ein paar mal am Tag fährt der Bus und Internet ist dort immer noch nicht ausgebaut. Nicht weil es nicht anders möglich gewesen wäre, sondern weil es sich für die Anbieter nicht gelohnt hat. Das zeigt deutlich wie unser System funktioniert: Nicht die Bedürfnisse der Bürger:innen entscheiden, es wird nur da investiert wo man Profit machen kann.
Trotzdem verbinde ich viel mit dieser Stadt. Ich schätze die Solidarität unter Nachbar:innen, die Wälder, das Gefühl, dass man sich kennt und füreinander da ist. Diese alltägliche Solidarität ist das, was Solingen stark macht.
Für welche politischen Themen in Solingen stehst Du persönlich besonders und warum?
Wohnraum darf keine Ware sein. In Solingen explodieren wie überall die Mieten, während städtischer Boden verscherbelt und Sozialwohnungen privatisiert werden. Ich setze mich dafür ein, dass Wohnen als Grundrecht begriffen wird, mit einem sofortigen Stopp von Privatisierungen und der konsequenten Rekommunalisierung von Wohnraum. Wohnraum gehört in öffentliche Hand und unter demokratische Kontrolle, nicht in die Portfolios von Investoren.
Ein zweites zentrales Thema für mich ist Integration, aber nicht im Sinne von Anpassungsdruck, sondern als Kampf für gleiche Rechte, Teilhabe und ein gutes Leben für alle, unabhängig von Pass oder Herkunft. Ich will eine Stadt, in der niemand in Sammelunterkünften leben muss, in der Sprachkurse, Beratung und Teilhabe keine Wohltat sind, sondern selbstverständlich. Wir müssen Integration fördern statt unendliche Forderungen zu stellen.
Wohnen und Integration sind für mich untrennbar verbunden mit der Frage, wem die Stadt gehört. Ich will, dass sie uns gehört – der lohnabhängigen Mehrheit, die den Laden am Laufen hält. Es wird Zeit dass Politik für die Menschen, nicht über deren Köpfe hinweg gemacht wird.
Was ist dein wichtigstes politisches Ziel für Solingen? Warum liegt dir das besonders am Herzen?
Mein wichtigstes politisches Ziel ist es, Wohnraum in der Politik endlich als das zu definieren was es ist: Ein Grundrecht, dass jedem Bürger unserer Stadt zusteht, unabhängig von Alter, Einkommen, Herkunft oder Aufenthaltsstatus.
Ich habe erlebt, wie junge Menschen in Solingen über Monate auf eine bezahlbare Wohnung warten. Ich kenne Leute, die in feuchten, überteuerten Wohnungen leben müssen, weil sie auf dem freien Markt keine Chance haben mit einem Azubi Gehalt oder dem Lohn vom Nebenjob während des Studiums. Mir liegt das Thema am Herzen, weil es erneut die Frage berührt, wem diese Stadt eigentlich gehört: Den Menschen, die hier wohnen, oder den Investoren, die mit unserer Miete Profite machen. Dass Wohnraum anders organisiert werden kann sehen wir in unseren großen Genossenschaften in der Stadt Solingen. Sobald der Profit nicht mehr im Vordergrund steht, braucht es auf einmal keine Immobilienhaie mehr. Ich fordere eine mutige Politik, die Wohnraum schützt, zurück in öffentliche Hand holt und endlich neue Wege geht.
Was bedeutet soziale Gerechtigkeit für dich – ganz konkret hier in Solingen?
Es kann nicht sein, dass Bürger:innen bei der Tafel Schlange stehen müssen, während andere im Porsche vorbeifahren. Das ist keine Gerechtigkeit sondern ein gesellschaftlicher Totalschaden.
Solingen darf keine Stadt der Gegensätze zwischen Arm und Reich sein. Ich will, dass wir diese Ungleichheit nicht länger hinnehmen, sondern aktiv bekämpfen. Es braucht eine Politik, die sich an den Bedürfnissen der Vielen orientiert, nicht an den Profiten der Wenigen. Soziale Gerechtigkeit heißt für mich: Die Stadt gehört uns allen. Sie muss auch so gestaltet werden.
Welche Probleme in Solingen werden deiner Meinung nach übersehen – und wie willst du sie angehen?
Ein großes Problem, das in Solingen viel zu wenig Beachtung bekommt, ist die fehlende Infrastruktur in den Rand- und Dorfgebieten – wie zum Beispiel in Höhrath. Busverbindungen sind spärlich, Internet gibt es oft gar nicht oder nur unzureichend. Das sorgt für soziale Ausgrenzung mitten in der Stadt. Wer kein Auto hat, ist praktisch abgeschnitten von Arbeit, Bildung und sozialen Angeboten. Das wird gerne übersehen. Ich will diese Probleme sichtbar machen und anpacken, indem wir den öffentlichen Nahverkehr in ganz Solingen endlich ausbauen und bezahlbar gestalten. Außerdem müssen wir den Internetausbau als Daseinsvorsorge begreifen und öffentlich organisieren, statt ihn privaten Profitinteressen zu überlassen.
Wenn du nur eine Veränderung in Solingen sofort umsetzen könntest – welche wäre das?
Solingen darf kein Ort sein, an dem Armut wächst, während Reichtum unkontrolliert blüht. Umverteilung ist der Schlüssel für eine solidarische Stadt, in der alle eine echte Perspektive haben. Es muss endlich Schluss sein damit, dass wenige wenige immer reicher werden, während viele kaum zum Leben haben. Wir brauchen eine Politik, die von denen, die genug haben, mehr nimmt und diese Ressourcen gezielt in die investiert, die es wirklich brauchen: für bezahlbaren Wohnraum, soziale Infrastruktur, Bildung und Gesundheit.
Was unterscheidet Die Linke Solingen von anderen Parteien im Stadtrat und seinen Gremien, vor allem in Zukunft?
Unser Alleinstellungsmerkmal ist die Verbindung von parlamentarischer Arbeit und gesellschaftlichem Wandel. Während andere Parteien sich Ihre Arbeit von Investoren sponsorn lassen und sich den Wünschen der wenigen Wohlhabenden unterwerfen, stehen wir für eine Stadtpolitik, die sich an den Bedürfnissen der Mehrheit der Menschen orientiert. Wir sind die einzige Kraft im Stadtrat, die klare Kante gegen Privatisierungen zeigt, für die Rückholung von Wohnraum und kommunalen Dienstleistungen in öffentlicher Hand kämpft.
Wie stellst du dir eine solidarische und klimagerechte Stadt konkret vor?
Kostenloser und flächendeckend ausgebauter Nahverkehr für alle, damit niemand mehr aufs Auto angewiesen ist. Wärmewende in öffentlicher Hand, damit Heizkosten nicht zur Armutsfalle werden. Neue Gebäude nur noch als Sozialwohnungen und in ökologischer Bauweise. Keine weiteren Flächenversiegelungen für Luxusprojekte, sondern mehr Grünflächen. Die Kosten der ökologischen Wende dürfen nicht die tragen, die sowieso schon am wenigsten haben. Wer Reichtum und Ressourcen anhäuft, muss endlich für Bus und Bahn, für Sanierungen und für erneuerbare Energien zahlen.Wir bauen die Stadt gemeinsam um, mit Teilhabe von jedem anstatt im Hinterzimmer mit Investoren.
Wie wichtig ist für Dich der Kontakt zu den Menschen in deinem Stadtteil?
Nur wer zuhört, versteht auch, wo es wirklich brennt: ob es der kaputte Spielplatz ist, der fehlende Bus, die Schimmelwohnung oder die Angst, die Miete nicht mehr zahlen zu können. Ich glaube nicht an Stellvertreterpolitik aus dem Rathaus. Ich glaube an organisierte Nachbarschaften, an Stadtteilversammlungen, an direkte Beteiligung an unserer Stadt.
Was würdest du Menschen sagen, die denken, Politik ändere sowieso nichts?
Ich verstehe, warum viele Menschen so denken. Weil sie erleben, dass ihre Lebensrealität in der Politik oft keine Rolle spielt. Wenn Mieten steigen, Löhne kaum reichen, Busse nicht kommen und dann dieselben Parteien seit Jahrzehnten dieselben leeren Versprechen machen. Wenn wir uns weiter raushalten, überlassen wir die Entscheidungen denen, die ohnehin nur für Reiche, Investoren und Eigentümer Politik machen. Politik ändert sich nicht von selbst, aber wir können Sie ändern. Wenn wir uns einmischen und laut werden. Wir dürfen Politik nicht den Falschen überlassen, dann wird sie weiter gegen uns gemacht. Veränderung kommt nicht von oben, sie beginnt mit uns.

